18.01.2002Landeshaushalt | 3/2002
Durch zinsgünstige Kredite möglichst geringe Belastungen für den Landeshaushalt
Potsdam - Das Land Brandenburg wird in diesem Jahr seine zweite große Anleihe auf den Kapitalmarkt bringen ("Brandenburg Bond No. 2"). Sie soll bis zu 1 Mrd. € umfassen. Das gab heute Finanzministerin Dagmar Ziegler (SPD) anlässlich eines Pressegesprächs zur Kapitalbeschaffung für den Landeshaushalt bekannt.
Sie geht davon aus, dass für die neue Anleihe eine ähnlich gute Marktpositionierung erreicht werde wie für den "Brandenburg Bond No. 1". Mitte Oktober wurde diese Anleihe im Wert von 500 Mio. € "sehr erfolgreich" (Ziegler) im In- und Ausland platziert. Seit 1991 schloss das Land insgesamt über 1.000 langfristige Kreditverträge mit einem Gesamtvolumen von etwa 24 Mrd. € ab. Hinzu kamen zahlreiche kurzfristige Zwischenfinanzierungen.
Dagmar Ziegler: "Durch die Anleihe verbreitern wir die Finanzierungsbasis für das Land". Zugleich sollen möglichst günstige Zinskonditionen erreicht werden. Aufgrund des erheblichen Finanzbedarfs bedeute "jede Zins-Verringerung selbst im hinteren Bereich nach der Kommastelle erhebliche Einsparungen", so Ziegler. Allein im Jahr 2002 müssen nach bisherigen Planungen 421 Mio. € neu aufgenommen und rund 2 Mrd. € aus fälligen Tilgungen anschlussfinanziert werden.
Die für die Kapitalbeschaffung zuständigen Mitarbeiterinnen des Finanzministeriums haben zahlreiche und intensive Kontakte zu Banken und Maklerbüros. Ziegler: "Per Telefon handeln sie direkt mit den Händlern und kämpfen um jedes Hundertstel beim Zinssatz". Es gehe darum, die Zinsbelastungen zu minimieren.
Das Zinsniveau hat sich seit 1991 tendenziell nach unten bewegt. So betrugen die Durchschnittssätze für die Kreditaufnahmen des Landes im Jahr 1991 fast 9 %; mit knapp über 4 % wurden im Jahr 1999 die niedrigsten Durchschnittszinssätze erreicht. Die derzeit noch immer günstige Zinssituation werde genutzt, um diese Zinssätze möglichst langfristig festzuschreiben. Denn es sei davon auszugehen, dass der Tiefpunkt erreicht und ab etwa Sommer mit höheren Zinsen zu rechnen sei. Ziegler: "Es ist eine hohe Kunst, in diesem Wechselspiel von Erwartungen und kurzfristigen Notwendigkeiten gut vorbereitet die richtige Entscheidung zu treffen".
Die Liquidität für den Landeshaushalt - er umfasst 2002 insgesamt 10,13 Mrd. € - wird auf dem Kapitalmarkt durch Kassenkredite (Tagesgeld) und längerfristige Kredite (Haushaltskredite mit in der Regel bis zu 10 Jahren Laufzeit) gesichert. Das jährliche Gesamtvolumen der Transaktionen übersteigt den jährlichen Neubedarf an Kapital erheblich, da getilgte Kredite durch neue Kreditaufnahmen abgelöst werden.
Das jährlich einzudeckende Kreditvolumen beträgt 2,0 bis 2,5 Mrd. €. Das entspricht etwa 100 Einzelabschlüssen mit einem Volumen von 10 bis 50 Mio. €. In Abhängigkeit vom Liquiditätsbedarf und der Marktsituation ist die Anzahl der täglichen Abschlüsse sehr unterschiedlich. Sie betrugen bisher bis zu 8 an einem Tag. Dagmar Ziegler: "Da wir künftig größere Anleihen begeben werden, wird die Anzahl der Einzelabschlüsse zurückgehen".
Von 1991 bis Ende 2001 wurden insgesamt über 1.000 längerfristige Kreditverträge mit einem Gesamtvolumen von fast 24 Mrd. € abgeschlossen. Dies entspricht jedoch nicht dem Schuldenstand des Landes. Er beträgt aktuell rund 13,5 Mrd. €.
Zinsgünstige kurzfristige Zwischenfinanzierung
Bis zur endgültigen und langfristigen Eindeckung des Kreditbedarfs erfolgt eine kurzfristige Zwischenfinanzierung über den Geldmarkt, um die tägliche Zahlungsfähigkeit des Landes zu gewährleisten. Dabei werden täglich Beträge von mehreren hundert Mio. € bewegt, maximal können es aber auch über 1 Mrd. € werden.
Von 1991 bis Ende 2001 wurden dabei insgesamt etwa 560 Mrd. € bewegt. Für die Entscheidung, ob und wann Kredite aufgenommen werden oder die Finanzierung über den Geldmarkt erfolgt, nennt Finanzministerin Dagmar Ziegler 3 wesentliche Punkte:
- Eine vorausschauende Liquiditätsdisposition (aufgeschlüsselt nach Monaten und Tagen) mit Berücksichtigung der laufenden Einnahmen und Ausgaben sowie der Tilgungsverpflichtungen aus bestehenden Kreditverträgen),
- die ständige Beobachtung und Analyse des Kapitalmarktes (Analysen von Banken, Reuters-Informationssystem, Einzelgespräche mit Händlern von Banken),
- die Erarbeitung einer eigenen Zinsmeinung.
Dagmar Ziegler: "Wir legen großen Wert darauf, dass wir immer in der Situation sind, Kredite abschließen zu können, aber nicht zu müssen. So kommen wir nicht in die Lage, der momentanen Marktsituation ausgeliefert zu sein. Durch die Entscheidung über den Termin der Kreditaufnahme und die Wahl der Laufzeit nehmen wir auch Einfluss auf die Entwicklung der Zinskosten."
Beispielsweise werden keine neuen Kredite aufgenommen, wenn sinkende Zinsen erwartet werden. Stattdessen erfolgt eine Zwischenfinanzierung über Tagesgeld oder kurzfristiges Termingeld (bis 6 Monate). Dadurch kann der Kapitalbedarf vor der endgültigen Krediteindeckung für einige Wochen oder Monate zinsgünstig finanziert werden (Tagesgeldsatz liegt 1 bis 2 % unter dem langfristigen Zinssatz). Die endgültige Krediteindeckung zu einem günstigeren Zinssatz erspart weitere Zinsausgaben.

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